Vortrag von Jürgen: Besetzungen und Besessenheit erkennen und auflösen
7. Expertentreffen PSE

Fall Besetzer Igor

Falldarstellung: Besetzung eines Patienten mit der Diagnose Prostata-Krebs
Die Kassettenaufnahmen weiter unten (.wav-Dateien... sind sehr leise - sie bedürfen eines zusätzlichen Lautsprechers mit Lautstärkeregelung!  Abspielung: linke Maustaste = Download und direkte Abspielung; rechte Maustaste --> “Ziel speichern unter...”)

Patient: 49 Jahre alter Vater von 3 erwachsenen Kindern (19, 19, 24), …in neuer Partnerschaft lebend; Beruf: Dipl. Ing. Nachrichtentechnik… Geschäftsführer
 

1. Behandlungsmotiv

  1. 2003 zunächst Karzinom mit Hormonblockade und Bestrahlung behandelt…
  2. ab Mai 2004 Metastasen in Leber und Wirbelsäule: erneute Hormonblockade, Strahlentherapie… dann nur noch Chemotherapie (Zeitpunkt unserer Kontaktierung)
  3. neue Partnerin sah größere Heilungschancen durch zusätzl.  Psychotherapie und Behandlung von etwaigen Besetzungen und nicht-integrierten Past-Lives
  4. er habe auch inzwischen eingesehen, dass er zusätzlich unter massiven psychischen Problemen leide.

2. Psychischer Befund:

  1. Patient wirkte anfangs durchgängig freundlich und „nett“
  2. gleichzeitig jedoch unterschwellig distanziert und unnahbar
  3. es war ihm wichtig, rationale Begründungen für sein Handeln zu finden
  4. zu seiner Emotionalität bestand ein nur eingeschränkter Zugang
  5. vor allem aggressive Impulse erschienen ihm bedrohlich
  6. in dem abgefragten Persönlichkeitsprofil hatte er die höchsten Ausprägungen auf den Skalen „selbstunsicher“, „abhängig-depressiv“ und „schizoid-kontaktmeidend“

3. Spontanangaben zu Beginn der Behandlung:

  1. stundenlanges Grübelnd im Bett, die vielen verdrängten Probleme der letzten Jahre kämen immer öfter nachts aber auch tagsüber zurück
  2. morgens wie gerädert und den ganzen Tag müde
  3. Eindruck, den ganzen Tag mit erhöhtem Adrenalinpegel herumzulaufen
  4. immer in Angst es könnte etwas passieren, was ihn vor eine Entscheidung stellen würde, bei der er eigentlich „Nein“ sagen müsste
  5. peinlich berührt, dass er in Gedanken versunken in Besprechungen säße und nicht mehr wisse, worum es gehe
  6. Angst vor jeder Auseinandersetzung… er spüre dies ganz stark im Magen und Unterleib
  7. über die letzten 2 Jahre habe sich dieser Zustand langsam immer mehr verschlimmert und dies wäre inzwischen zu einem Dauerzustand geworden.

4. Differenzierung der Diagnose:

  1. Einen Anteil der psychischen und psychosomatischen Problematik des Patienten muss man natürlich sinnvollerweise einer Störung der jetzigen Persönlichkeit zuordnen, entstanden durch entsprechende Defizite oder emotionale Verletzungen in den vier grundlegenden Kindheitsphasen zwischen der Zeugung und dem 7. Lebensjahr.
  2. daraus erstellte Diagnose: Neurotische Depression (F34.1), vor dem Hintergrund einer Hemmung aggressiv-expansiver Persönlichkeitsanteile und auf der Basis einer lebensbedrohlichen Erkrankung
  3. Die mediale Diagnose bzw. Bestandsaufnahme ergab an zusätzlichen Einflussfaktoren eine ganz starke Besetzung aus früheren Leben, nämlich:

  4. * Besetzer Igor: ein Sohn des Patienten aus einem früheren Leben

    + zwei nicht-integrierte frühere Leben mit traumatischen Inhalten:

      - Der Vater des Besetzers Igor, der als Häuptling eines    Eingeborenenstammes den Sohn kastrieren ließ

      - Ehefrau eines geschlechtskranken Ehemannes, die trotz Ekels und Schmerzen nicht „Nein“ sagen konnte

5. Besetzer Igor und die Zusammenhänge:

  1. Der Igor war der Sohn aus einem früheren Leben des Patienten, der  dort ein Häuptling eines Eingeborenenstammes war, in dem es üblich war, Knaben, die entweder psychisch oder physisch nicht gesund waren, zu kastrieren, bzw. die Hoden abzuschneiden, um die spätere Fortpflanzung solcher Kinder zu unterbinden…
  2. Nach dem Tod des Sohnes wurde er immer nachdenklicher… blockierte total seine Gefühle… entwickelte starke Schuldgefühle… durch das lange Sitzen und Grübeln Kreuzschmerzen bekommen… konnte in der Bearbeitung dann schon nicht mehr begreifen, dass er damals nicht auf die Idee gekommen war etwas zu unternehmen – die damalige Sitte wurde ihm immer unbegreiflicher  

                                  
    (2. Sitzung vom 25.2.2005 9’32)


  3. Der Sohn versuchte sich – ohne Chance – zur Wehr zu setzen… er starb dann an der Kastration, weil sich seine Wunde entzündete. Eine Behandlung der Wunde durfte ebenfalls nicht geschehen. So griff die Entzündung immer mehr in den Bauchraum über, und er starb letztendlich unter starken Schmerzen
  4. Der Sohn entwickelte während seiner langen Leidenszeit starke Hassgefühle gegenüber dem Vater: er erwartete von ihm eine Ausnahmehandlung, da er ihm die Macht und die Kompetenz dazu unterstellte.
  5. Aus diesen unverarbeiteten Hass- und Leidensgefühlen heraus konnte er nie in die jenseitigen Bereiche kommen und blieb erdgebunden. Er geisterte quasi seitdem solange umher, bis sich die Seele des damaligen Häuptlings in unserem Patienten in der jetzigen Gegenwart wiederverkörperte.
  6. Schwingungsmäßig erkannte der erdgebundene Igor in der Wiederverkörperung seinen damaligen Vater, hängte sich an ihn, um sich in seinem Hass und seiner Vergeltungssuche an ihm zu rächen, indem er ihm vermitteln wollte wie es ist, einer Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein

6. Besetzer Igor – Verlauf der Bearbeitung: Sitzungen 1-7

  1. Seine Gefühle schwanken stark zwischen Wut und Hass auf der einen Seite und Verzweiflung, Weinerlichkeit, Angst vor dem Tod  auf der anderen Seite…
  2. Er will nicht sterben… keiner ist da… Einsamkeitsgefühle… hat so Angst vor den Schmerzen im Genitalbereich …
  3. Nennt den Vater „feige“ – er war doch der Häuptling …. er hätte doch eigentlich keine besondere Behinderung gehabt, außer dass er manchmal den Faden verlor und kein richtiger Krieger und Jäger war… … auch vom Stamm abgelehnt, weil er Angst vor der Konfrontation hatte, ihm waren Harmonie und Frieden lieber
  4. enttäuscht vom Vater…. soll er ihn hassen, darf er ihn hassen?  …… reflektiert über den Charakter des Vaters… er mag ihn auch, traut sich aber nicht es zuzulassen…. … dann wütend auf sich selbst, weil er damals nicht einfach weggelaufen ist… es tut ihm gut über seine Angst und seine Weichheit zu reden.

7. Besetzer Igor – Kassettenausschnitte Sitzungen 8-14

Ausschnitt 8. Sitzung – 4.2.2005 - 2‘13

Zuerst voller Wut auf den Vater… überträgt sie auch auf mich… lässt seine Wut auch verbal raus…

Vater hätte den Weisen gespielt… hätte ihn verstümmeln lassen… er war auch gleichzeitig Medizinmann… habe aber trotzdem nichts zu seiner möglichen Gesundung unternommen

… dann völlig verzweifelt… „…es hat sooo wehgetan!!!!...“

„… du, ich bin gestorben…!!!“

„… du, ich bin gestorben…!!!“

 

 

Ausschnitt 9. Sitzung – 18.2.2005 - 6‘00

Ganz verzweifelt über seine Wut auf den Vater – schämt sich unter starkem Weinen dafür („weil man es nicht tut..“)

„…hilf mir!!! … …ich will es doch nicht!!!!...“

Spürt dann auch seine Verachtung dem Vater gegenüber  …

…völlig verzweifelt über seine so starken Gefühle…

„…ich will es doch nicht!!!!... … ich hasse mich dafür!!!...“

…hat das starke Gefühl zu platzen… hat nicht gewusst, dass er soooo wütend sein kann…

Kommt dann zum Schluss in ein überbordendes Gefühl von Ich-Stärke rein

 

 

Ausschnitt 10. Sitzung- 4.3.2005 – 5‘51

Dachte, er könnte alles vergessen und wegbleiben… aber seine Wut und sein Hass überrollte ihn förmlich… weint wieder verzweifelt über sein Hin- und Hergerissensein… ist total hilflos

Hat immer noch Schmerzen… „warum hat er mir das angetan???...“

Es bohrt … und bohrt…

Und plötzlich hat er kein schlechtes Gewissen mehr… könnte statt dessen alles vernichten… ist selber erstaunt über seinen tiefsitzenden schwelenden Hass…

Biete ihm als Projektion nach außen einen Vulkan an… er genießt förmlich diesen Gewaltausdruck!

 

 

Ausschnitt 11.Sitzung – 18.3.2005 – 4‘09

Ganz ganz traurig… alles ist so traurig… alles ist schief gelaufen…. muss vor lauter Traurigkeit weinen…

…wenn der Herr Vater nur nicht so feige gewesen wäre…

… er will nur noch, das es vorbei ist… dass es ihm gut geht…

… keine Schmerzen mehr im Unterleib…

…greift auf seinen starken Bären (als seinen vorläufigen idealen Ich-Repräsentanten) zurück, der ihn beschützt… er liebt ihn für seine Stärke… „…wenn ich selber nun mal kein Krieger bin!“

 

 

Ausschnitt 12. Sitzung – 8.4.2005 – 4‘04

Weiß nicht so recht, ob er noch wütend sein soll… empört sich dann darüber, dass sich niemand um ihn gekümmert hat… sie es sogar verhindert haben… …sie ihn so alleingelassen haben mit seinen Schmerzen…

…hat dann wieder starke Schuldgefühle, dass es ihm gefällt, dass es dem Vater schlecht geht…

…fällt ganz plötzlich in verzweifeltes Schluchzen und bekommt ganz viele Symptome: Rückenschmerzen, Nacken-Schultersyndrom, taube Beine, Hodenschmerzen, Schüttelfrost, eisigen Unterleib…

…möchte einfach weg…

 


 

Ausschnitt 13. Sitzung 22.4.2005 – 2’03

…ganz weinerlich, tiefe Traurigkeit und Enttäuschung, will eigentlich nicht reden…

…spürt wieder seine starken zwiespältigen Gefühle dem Vater gegenüber: einerseits freut es ihn, dass der wiedergeborene Vater auch krank ist, andererseits will er diese Gefühle nicht haben, hat deshalb wieder starke Schuldgefühle… weiß einfach nicht, was ihm lieber ist…

…hat keine Schmerzen mehr… weinend: „…aber meine Seele, die schmerzt…“

…möchte sich einfach nur eine Decke überstülpen… „…und dann wieder nicht!!!“

 

 

Ausschnitt 14. Sitzung – 27.4.2005 – 5‘31

Gefühle fast schon ausgeglichen…  biete ihm Kontakt zu anderen Kindern an…

Er schwankt noch, ob er diesen Kontakt schon knüpfen soll… hat durchaus schon einen starken Reiz für ihn, aber es macht ihm doch noch zu viel Angst, lehnt es deswegen ab und kompensiert diese durch verstärkte Zuwendung zum  Bären (als einen vorläufigen idealen Ich-Repräsentanten), der dadurch einen immer größeren Raum einnimmt und riesig anwächst.

Für die zukünftigen Sitzungen wäre die Kontaktknüpfung mit den Kindern durchaus attraktiv und wohl der richtige Schritt hin zur „Erlösung“.